mad girl’s love song

 

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Susanne Mewing – Katrin Pieczonka – Katja Staudacher

Mad Girl’s Love Song
Installation, Malerie, Zeichnung

Eröffnung am Donnerstag, 6. Februar 2014 um 19.00 Uhr

Specials Guests:
Gregor Stockmann »A Mad Girl’s Text-Revue«
Parkers Rauschen

Ausstellung vom 8. Februar – 13. April 2014, Sa und So 14.30 – 16.00 Uhr

Stadtgalerie Lauenburg

http://stadtgalerie-lauenburg.de

Ausstellung: I shut my eyes and you are dead

Installation, Malerei, Zeichnung
Katja Staudacher | Katrin Pieczonka | Susanne Mewing

“The stars go waltzing out in blue and red,
And arbitrary blackness gallops in:
I shut my eyes and all the world drops dead.
(Sylvia Plath)

Eroeffnung: Samstag, 28. September 2013 um 19 Uhr

Ausstellung vom 29.9. – 6.10.2013
Oeffnungszeiten: Samstag und Sonntag 14 bis 19 Uhr
und nach Vereinbarung

FRAPPANT GALERIE in der Viktoria-Kaserne
Zeiseweg 9 (Zugang ueber den Hinterhof in der Bodenstedtstrasse)
22765 Hamburg | www.frappant.orgtitel_web

Interview mit Staudacher, Piezconka, Mewing

1. Was machen Sie da?
Mewing: Zeichnen
Pieczonka: Malen
Staudacher: Sitzen

2. Warum machen Sie das?
Pieczonka: Habe es eigentlich schon immer gemacht.
(Mewing und Staudacher schweigen.)

3. Welche Voraussetzungen brauchen Sie,
um mit der Arbeit beginnen zu können?
Pieczonka: Fachliteratur. Zigaretten. Kaffee. Essensvorräte für alle Fälle. Schönes Neonlicht. Maloverall. Musik. Vorher noch mal kurz aufs Sofa legen?
Mewing: Es sollte morgens losgehen. Schön, wenn am Abend schon aufgeräumt wurde, damit nicht so viel rumliegt, genug zu essen, Tee und ein nicht zu aufregendes Hörbuch oder tv-Serie.
Staudacher: Ich befürchte Ordnung.

4. Welches Schuhwerk tragen Sie dann?
Pieczonka: Unechte Birkenstock von Aldi. Bekleckert.
Mewing: FlipFlops. Im Winter mit Socken.
Staudacher: Das ist bei mir ein richtiges Problem… Wenn ich mit Hausschuhen arbeite und in die Küche gehe zum Kaffeekochen, schäme ich mich, weil ich befürchte, die anderen könnten denken, ich wäre gerade erst aufgestanden.

5. Welche ist die meist überschätzte Farbe /
Was ist das meist überschätzte Material?
Mewing: Keine Ahnung. Blöde Frage. Rosa Barbie-Plastik? (Obwohl das in den richtigen Händen auch was Gutes wird.)
Pieczonka: Alle Farben sind großartig.

6. Welche ist die meist unterschätzte Farbe /
Was ist das meist unterschätzte Material?
Mewing: Wasserfarben.
Pieczonka: s.o.
Staudacher: Kaugummi.
(murmelt irgendwas von Giaccometti.)

7. Wie ordnen Sie sich in den kontemporären Kontext ein?
Pieczonka: Mühelos.
Mewing: Puh!
Staudacher: Ich leb ja jetzt.

8. Hat Ihre Arbeit einen historischen Hintergrund?
Pieczonka: Ja: meine eigene Geschichte.
Mewing: Gute Antwort von Frau Pe.
Staudacher: Manchmal beziehe ich mich auf Werke der Kunstgeschichte.

9. Werden Sie Ihre Arbeit irgendwann abschließen können?
Pieczonka: Um Gottes willen.
Mewing: Ich hoffe nicht.
Staudacher: Ich hoffe es bei jeder einzelnen Arbeit.

10. Welche Fragen beschäftigen Sie
z.zt. in Zusammenhang mit Ihrer Arbeit?
Pieczonka: Reicht das Klebeband? Muss ich Weiß kaufen? Wieso muss ich gelbliches Grün und warmes Gelb immer schnell wieder übermalen? Ist Milch da? Warum brauche ich so lange, um mit der Arbeit anzufangen? Warum brauche ich so lange, um mit der Arbeit aufzuhören? Ist die Maus immer noch da? Und wenn ja, wo? Wie viel Gegenständlichkeit brauche ich? Ob ich mich kurz aufs Sofa legen kann?
Mewing: Kann ich ohne Figur erzählen, was ich erzählen will? Oder: Wie kann ich eine Figur einschmuggeln, ohne dass das albern wird? Wie geht Raum? Was mache ich mit Herrn Kippenbergers: »Jetzt geh ich in den Birkenwald, denn meine Pillen wirken bald?« Und an wen habe ich nicht gedacht? Hänge ich noch meine rote Jacke in die Birken?

11. Was hat das Gedicht »mad girl‘s love song«
von Sylvia Plath mit Ihrer Arbeit zu tun?
Staudacher: Mich fasziniert, wie Sylvia Plath es schafft extreme Zustände zu beschreiben. Sie verwendet Worte wie Gott (Himmel), Teufel (Hölle), Geburt, Leben, Tod usw. also Worte, die als solches schon gleich ein Gegenteil oder eine andere Seite haben. Sie schafft es, existentielle Zustände so zu beschreiben, dass auch ich, als Leser des Gedichts, diese widersprüchlichen Empfindungen habe. Ich kann Gut und Böse, Täter oder Opfer sein, Zerstörer, Widerhersteller. Und da ist genau der Punkt. Diese Gegensätzlichkeit gibt es auch in unseren Arbeiten. Es gibt dieses Hin und Her aus Schönheit und Hässlichkeit, ganz und kaputt. Mewing z.B. zerlegt mit feinem Strich Körper, um sie dann nach eigener Vorstellung, vielleicht noch mit unerwarteten Eigenschaften versehen, wieder zusammen zu setzen.
Pieczonkas Bilder zeigen Momente der Erinnerung an erlebte Situationen. Die Malerei ist bruchstückhaft und doch eine eigene Einheit. Teils Baustelle, teils Paradies.
Und ich z.B., nutze gern Material mit kurzer Halbwertzeit. Das heißt, da es an sich keinen Wert mehr hat, versuche ich durch zweifelhafte Bezüge Bedeutung herzustellen. Siehe »Delaware«, eine Collage bestehend aus gängigen Boulevardzeitschriftschnipseln. Die Collage entstand nach der Vorlage eines Ölgemäldes von Emanuel Leutze, auf dem das historische Ereignis der Überquerung von George Washington über den Delaware abgebildet ist und das damit den Abschluss des Unabhängigkeitskrieges darstellt. Emanuel Leutze gehört zu den Vertretern des historischen Realismus. Es gibt also eine Überlagerung von Gegensätzen. Historisch Bedeutsamem einerseits und andererseits von Schnelllebigkeit und oberflächlichen Inhalten der Boulevardmagazine von heute.
Mewing: Der Solipsismus. Während der Arbeit ist das sehr angenehm.
Pieczonka: Das Gedicht klingt für mich wie ein Lied, das von einem Mädchen, einsam und trotzig herumhüpfend, vor sich hingesungen wird. Vor allem die wiederkehrenden Zeilen »I shut my eyes and all the world drops dead« und »I think I made you up inside my head« spiegeln ein Stimmung wieder – das Gefühl, dass die ganze Welt im Grunde für mich und von mir gemacht wurde und aufhört, zu existieren, sobald ich aufhöre, sie zu beachten. Dadurch fühlt man sich einerseits sehr mächtig, und andererseits auch sehr einsam. Ich glaube, dass diese beiden, sich gegenseitig bedingenden Eigenschaften viel mit dem Dasein als Künstler zu tun haben und sowohl sehr viel Freude bereithalten – man hat ja schließlich immer etwas zu tun, wenn man irgendwelche Welten erschafft und wird sich niemals langweilen – und andererseits aber auch ein Gefühl von großer Distanz zur Welt, die einen umgibt, verursachen kann.
In dem Gedicht »Soliloquy of the Solipsist“ von Sylvia Plath klingt das Thema ebenfalls an. In der deutschen Übersetzung heißt es in der zweiten Strophe so: „Ich / Lasse Häuser schrumpfen / Und mache Bäume klein / Durch Weitergehen; an den Strippen meiner Blicke / Baumeln die Marionetten-Leute, / Die, nicht ahnend, wie sie schwinden, / Lachen, küssen, sich betrinken / nicht erraten, dass, beschließe ich zu blinzeln, / Sie sterben.«

12. Gibt es Gemeinsamkeiten in Ihren Arbeiten?
Pieczonka: Ja. Ich finde, dass wir alle im Grunde genommen etwas Ähnliches tun – wir finden Dinge, die uns persönlich interessieren, sei es in der eigenen Geschichte, der Kunstgeschichte, der Alltagskultur, die uns umgibt und benutzen Fragmente, Versatzstücke, Ideen davon, um daraus etwas Neues zu machen. Wir arbeiten alle drei nicht konzeptuell, sondern eher intuitiv, immer suchend, überarbeitend, ausprobierend – und allerhand Fehlversuche, Anfänge, Skizzen sind auch später noch in der fertigen Arbeit enthalten und teilweise sichtbar.
Mewing: In der Arbeitsweise sind wir ähnlich. Etwas beginnen, sich währenddessen damit auseinandersetzen, hinzufügen, wegnehmen, verwerfen, übermalen, bis das Kunstwerk am Ende fertig ist.
Staudacher: Siehe oben.

13. Wie würden Sie Ihre Arbeitsweise beschreiben?
Mewing: Ich habe anfangs immer eine konkrete Vorstellung oder Idee, auch von der Vorgehensweise, die während der Arbeit immer verworfen wird. Es kommt ziemlich schnell ein Punkt, wo die Arbeit (das Papier/die Zeichnung/die Birke) selbst Einfluss nimmt. Darauf kann ich richtig oder falsch antworten. Das sehe ich oft erst hinterher. Wenn ich etwas falsch mache, kann ich das korrigieren. Dadurch entstehen Übermalungen. Ich kann etwas zufügen oder wegnehmen. Dieser Zustand gefällt mir.
Pieczonka: Meist fange ich ganz frei mit irgendetwas an. Ich setze Farbflächen auf die Leinwand, reagiere auf das, was ich schon gemalt habe, übermale und korrigiere wieder, setze Schicht auf Schicht, und so wächst das Bild. Und irgendwann schleicht sich dann eine Idee, eine Räumlichkeit, eine Landschaft, eine Architektur ein.
Staudacher: Mich interessieren Situationen, Ereignisse gesellschaftlich- öffentlichen Lebens – wie werden sie kommuniziert und dargestellt z.B. in den unterschiedlichen Medien. Wie viel Wahrheit steckt im Klischee? Und dann der eigene Radius, wie weit kann das eigentlich gehen?
In der Arbeit »Drei Räume« z.B. ist der Ausgangspunkt für die abgebildete Rauminstallation ein Foto.
Mein Atelier und meinen Arbeitsprozess in einer Fotografie fixiert, habe ich die auf dem Foto abgebildete Situation in einem anderen Raum so genau wie möglich rekonstruiert. Dasselbe Foto diente mir auch als Vorlage zur Nachbildung meines Arbeitsprozesses in einem Modell. Einzelne Elemente, wie die in der Herstellung begriffene Figur und die Vorhänge, wurden in der Rekonstruktion und dem Model vertauscht oder verschoben. Andere Elemente, wie der Stuhl hingegen, nur unvollständig ausformuliert.
Bei vielen Arbeiten verwende ich Material, das schon einen Prozess durchlaufen hat. Material, das schon benutzt wurde, Staubsaugerbeutel, Aktenordner, Regenschirme. Transformation spielt eine Rolle. Das Fremdwerden von Vertrautem und umgekehrt.

13a. Warum Fußball?
Staudacher: Also in der Arbeit “It-Pieces” z.B. geht es um die gesellschaftlichen Helden unserer Zeit. Fußballstars eben. Sie werden bewundert, oft gottgleich verehrt. Aber der mögliche Fall ist latent präsent. Was mich hier auch beschäftigt, ist die Inszenierung von Körperlichkeit, Bewegung und den Gesten der Verletzung beim Fußballspiel und die oft nicht eindeutige Situation von Simulation und wirklichem Schmerz.
Pieczonka: Mich erinnern die Fußballspieler immer an die Toten von Pompeji.
Mewing: Ich will einen besitzen.
Pieczonka: Ich auch.

14. An wen würden Sie Ihre Arbeiten
am liebsten verkaufen?
Mewing: Keine Ahnung. David Bowie?
Pieczonka: Zum einen an Museen und andere Kunstinstitutionen, natürlich. Aber ich verkaufe auch genauso gern an Leute, die sich in eine bestimmte Arbeit verliebt haben. Dann finde ich es auch gut, wenn sie sich das Bild ins Wohnzimmer hängen.
Staudacher: Steffi Graf. (Staudacher simuliert einen Aufschlag beim Tennis)